Novembertag

Hier am Fenster blicke ich in unseren Garten. Die Bäume tragen vereinzelt noch trockene, braune Blätter, dazwischen sammeln sich Wassertropfen an ihren kahlen Zweigen. Es nieselt leicht, der Himmel ist mit einer blassgräulichen Decke verhangen. Der Tristesse dieses Novembertages bieten die grüne Wiese mit buntem Laub und das Gelb-Grün des Brandkrauts ein Pendant. Das Quittenbäumchen mit den gelben Blättern und der Amberbaum mit seinen letzten roten heben sich vor den bräunlichen Gräsern und Stauden im Hintergrund leuchtend ab. Im Beet vor unserer Terrasse strahlt noch eine einzelne pinke Rose, getragen von einem Busch, der seine letzten Kräfte in sie investiert, bevor er sich in Winterruhe begibt.

Eine Meise tummelt sich an einem Vogelhäuschen, das auf einem Baum hängt, Spatzen fliegen vorbei, sie lässt sich nicht beirren und pickt ein Körnchen nach dem anderen, bevor sie gestärkt weiterfliegt.

Ich sitze im Warmen, genieße den Ausblick und die Wirkung, lasse mich ausfüllen, nehme mir Zeit dafür. In den letzten Wochen konnte ich mich an der Fülle der herbstlichen Farben auftanken, vorsorgen für die Winterzeit, in der alle Laubbäume kahl sein werden und sich die Natur zurückzieht. Ein Vergnügen. Freude. Die Freude erfüllt mich. Und nicht nur die Freude, die ich an der letzten Farbenpracht habe, sondern auch die Freude über mich selbst, dass ich mir gönne, mich hinzusetzen, mir Zeit zu nehmen,  all dies wahrzunehmen. Helle Freude in mir über das, was ich erlebe und erleben darf. Dankbarkeit.